Veröffentlichung: Lea Reichel: „An das Judenzentrum“ Antisemitische Zuschriften an die Jüdische Gemeinde Düsseldorf (1980-2014)

ZuschriftenIm Rahmen der Ausstellungseröffnung „Du Jude“ – Alltäglicher Antisemitismus in Deutschland, die noch bis zum 28.02.2019 im Gebäude der VHS am Berta-von-Suttner-Platz zu sehen ist, stellte Dr. Joachim Schröder eine Broschüre vor, die in Kooperation mit der Jüdischen Gemeinde Düsseldorfs und der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus (SABRA) am Erinnerungsort Alter Schlachthof der Hochschule Düsseldorf entstanden ist.

Die Jüdische Gemeinde Düsseldorf erreichen regelmäßig antisemitische Zuschriften: Briefe, Postkarten, E-Mails, mit Namen oder anonym, es erreichen sie Flugblätter und Pamphlete. Mitarbeiter*innen der Jüdischen Gemeinde Düsseldorfs haben 200 solcher Botschaften und Pamphlete über mehr als drei Jahrzehnte gesammelt und dem Erinnerungsort Alter Schlachthof der Hochschule Düsseldorf zur Auswertung zur Verfügung gestellt.

Die Historikerin Lea Reichel, ehemalige Mitarbeiterin des Erinnerungsortes, hat 135 dieser Zuschriften, die direkt an die Gemeinde gerichtet waren (davon 73% anonym), analysiert.  Zudem wurden sie im Hinblick auf die politische Herkunft der Verfasser*innen (soweit erkennbar) sowie im Hinblick auf die verschiedenen Formen des Antisemitismus, die sich in den Zuschriften widerspiegeln, kategorisiert.

Zusammenfassend ergaben sich folgende Ergebnisse hinsichtlich der politischen Verortbarkeit:

politische Richtungen:
Mitte: 55 % (74)
Rechts: 37 % (50)    
Links: 3 % (4)
psych. auffällig: 5 % (7)     

Antisemitismus:
klassisch: 45 % (60)
israelbezogen: 27 % (37)
sekundär: 16 % (22)
rel.-christlich: 12 % (16 )

Zuschriften von Autor*innen mit muslimischem Hintergrund wurden im Untersuchungszeitraum – soweit erkennbar – nicht festgestellt.

Die Zuschriften unterscheiden sich voneinander in vielerlei Hinsicht, doch sie haben eins gemein: Sie sind antisemitische Botschaften an die Jüdische Gemeinde Düsseldorf, „an das Judenzentrum“, an „die Juden“ im Allgemeinen, in einigen Fällen auch an den „Staat Israel“. Die meisten Autor*innen nehmen die Jüdische Gemeinde Düsseldorf als „Fremdkörper“ wahr. Sehr häufig erfolgte die Zuschrift vor dem Hintergrund eines bestimmten Anlasses – z.B. des wieder aufflammenden Nahost-Konfliktes, eines Anschlages oder eines erinnerungspolitisch bedeutsamen Ereignisses.

„Die Untersuchung zeigt, dass die Jüdische Gemeinde Düsseldorf und ihre Angehörigen seit vielen Jahren antisemitischen Anfeindungen ausgesetzt sind. Wie bereits in anderen Studien nachgewiesen, stammen beunruhigend viele Zuschriften von Menschen, die der politischen Mitte zuzuordnen sind. Seit einigen Jahren tragen Antisemit*innen ihre Einstellung zunehmend offener, ungenierter zur Schau“, so Dr. Joachim Schröder, der Leiter des Erinnerungsortes Alter Schlachthof, bei seiner Vorstellung.

Die Broschüre ist am Erinnerungsort Alter Schlachthof sowie an der Servicestelle für Antidiskriminierungsarbeit, Beratung bei Rassismus und Antisemitismus (SABRA) erhältlich. Eine online-Veröffentlichung wird derzeit geprüft.

 

 

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